Die Toten Hosen - Alles Ohne Strom

Verfasst von Thomas Wendel am . Veröffentlicht in CD Tipp

Eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem ersten Akustik-Album, seinerzeit aufgenommen im Wiener Burgtheater, sind die Die Toten Hosen rückfällig geworden und habenn jetzt ihr zweites Unplugged Album veröffentlicht: «Alles ohne Strom».

Um den Strom und die fehlenden Verstärker zu ersetzen, hat die Combo um Campino diesmal reichlich personelle Verstärkung zu sich gebeten: Bläser, Streicher, eine Pianistin und einen zusätzlichen Schlagzeuger.

Die erste Auskopplung des Akustik-Albums war das inzwischen 30 Jahre alte Stück «1000 gute Gründe» als Ska-Variante. «Paradies» kommt als Polka daher, «Hier kommt Alex» in einer Version irgendwo zwischen ZZ Top und John Lee Hooker.
«Wir haben in anderen musikalischen Gärten gewildert und einfach vom Baum gerupft, was uns gefallen hat», sagt Campino in einem Interview. «Diese fetten Bläsersätze bringen sofort einen anderen Charakter in die Musik. Das war ein großer Spaß. Ganz puristisch geht das aber nicht», räumt er ein. «Der Gesang muss schon verstärkt werden, und man muss den Klang auch mischen, sonst würde man nur Trompeten hören.»

Einer der Höhepunkte auf dem Album ist eine Hommage an Rammstein - die Coverversion «Ohne Dich»: «Ein wunderschönes Lied - das ist Lyrik», sagt Campino - und über die Berliner Band: «Wir haben uns über die Jahre zu schätzen gelernt.» Das war nicht immer so. «Ursprünglich gab es starke Differenzen, und das haben wir uns auch gegenseitig vor den Bug gehauen, aber irgendwann war das alles geklärt.»

Einen Eindruck von den neuen Tönen aus dem Hosen-Klanglabor bekamen bereits einige Fans in Düsseldorf: Die Toten Hosen hatten für die Live-Aufnahmen des Albums im Sommer die dortige Tonhalle gekapert, jenen altehrwürdigen Konzerttempel klassischer Musik. «Mit Pauken und Trompeten» hießen die Abende, bei denen akustische Versionen von Hosen-Klassikern und vier neue Stücke präsentiert wurden.
Bei der nächsten Tournee wird der Hosen-Tross daher auf Rekordgröße anwachsen: 17 Musiker sollen auf der Bühne stehen. «Die Toten Hosen wollten eigentlich immer eine Bigband sein - außer uns wollte nur keiner mitmachen», scherzt Campino.
Die Idee dazu kam übrigens von den Fans. An allen Ecken auf der Welt wurde die Band immer wieder gefragt, warum sie mit ihrem Akustik-Erstling nie auf Tour war. Um diesen Fehler von 2005 auf keinen Fall zu wiederholen, wollen die Toten Hosen mit ihrer Tour in 2020 die Bühnen im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten rocken.

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